Mutmoment (6) - Wenn das Ziel verschwimmt

Mein Ziel ist immer ein Ziel zu haben.

...singt mir Udo Jürgens seit einer Stunde unbeirrt ins Ohr. Oder eigentlich singt es mein Kopf in meinem Ohr, Udo Jürgens ist per se daran unbeteiligt. Es ist wieder einmal maximal spät für einen Wochenbeitrag und eigentlich habe ich auch um 21:15 am Sonntag keinen Plan, welcher Moment in der letzten Woche Mut gezeigt hat. Ich weiß, die Intros werden eintönig - sorry dafür.

Ich habe die Kohlenhydratezufuhr diese Woche erhöht, das Tief ist trotzdem nicht ausgeblieben. Ein Ziel, das habe ich. Hatte ich. Habe ich? Ich weiß es nicht. Ganz groß steht es in mein Herzen geschrieben, gefühlt ist es in jede Zelle tätowiert. Meine Ausbildung. Dieser Beruf. It's my calling and I can hear it screaming. Aber. Im Moment ist es schwer bis unmöglich daran zu glauben, dass es noch in greifbarer Nähe ist. Ferne schrieb ich, unbewusst. In greifbarer Ferne. Vermutlich trifft es das eher.


Wenn ich in mich hineinspüre, was mir wirklich fehlt seit dieser Pandemie, dann sind es - von der Unbeschwertheit im menschlichen Kontakt mal abgesehen - die Uniabende, der Austausch, das Eintauchen in diese Bubble und die seltsame Anziehungskraft dieses Fachs und der Menschen, die es ausüben. Das Gefühl, dazuzugehören, von innen, eine Schublade, die passt. Arbeit, während der ich mich nicht in 9 von 10 Fällen unzulänglich fühle, sondern die aus Überzeugung geschieht, echt und authentisch ist und die mir Kraft gibt anstatt sie zu rauben, so unlogisch das klingen mag.

Aber Hoffnung ist es rares Gut geworden dieser Tage und so gewinnt mehr und mehr die Schreckensszenariomalerin in mir, indem sie alles Wünschen und Träumen mit grauschwarzem Graffity besprüht und mich in der Überzeugung ertränkt, dass ich scheitern werde, oder schlimmer: es nicht einmal wirklich versuchen, aufgeben, abhaken, resignieren.



Doch das ist nicht mein Stil. Auch wenn die perfide Gefühlswolke meinen Kopf vernebelt, hält noch ein leises Flüstern dagegen, das mir sagt: JETZT hast du dich für diese Etappe entschieden, weil du dir dort das Minimim an Sicherheit und Stabilität holst, das du gerade erreichen kannst. Doch das ist kein Urteil für immer und jeder Weg erreicht tausend Kreuzungen, an denen ein Abbiegen möglich ist. Auch wenn du es jetzt nicht siehst. Auch wenn du es jetzt nicht fühlst. Auch wenn du es jetzt nicht glaubst, so weißt du doch, irgendwo, dass ein Wille auch einen Weg finden kann und "unmöglich" noch lange nicht in Stein gemeißelt ist und du eines Tages wieder die Kraft finden wirst, um dein Ziel zu kämpfen.

Weißt du, Dinge werden wahr wenn man sie oft genug sagt.